Aus der Neuen Welt

New Haven’s Late Edition.

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Meet the Press

Juni 13th, 2008 · 2 Comments · Allgemeines, Leben in den USA, Medien, Politik

Der erste Sonntagmorgen in den USA, Frühstücksfernsehen. Aus dem Gerät Fanfarentöne, eine entschiedene Stimme kommentiert Bilder von Barack Obama und Hillary Clinton, “Meet the Press with Tim Russert” bei NBC. Das Vorbild für den deutschen Presseclub, beziehungsweise den Internationalen Frühschoppen. Seit 1947 ununterbrochen auf Sendung, die am längsten laufende Fernsehsendung der Welt. Hier werden Politiker gegrillt, heißt es, was hier diskutiert wird steht am nächsten Tag in der New York Times.

Freitagnachmittag, halb vier. Sämtliche ernstzunehmenden Fernsehsender unterbrechen ihr Programm. Zuerst NBC, dröhnende Fanfare, “NBC News Special Report”, Tom Brokaw ist zu sehen. Der ist eigentlich pensioniert, berichtet heute aber mit ernstem Blick: Sein Freund und Kollege Tim Russert sei gerade bei seiner Arbeit im Washingtoner Büro von NBC tot zusammengebrochen.

Am Abend sendet NBC keine Hauptnachrichten, sondern eine halbstündige Hommage an Russert. Auf CBS, FOX, CNN das Gleiche: Kollegen erinnern an Russert, Politiker sprechen Kondolenzworte. Den Höhepunkt findet die Fernsehtrauerfeier bei MSNBC, der Nachrichtensender hat heute Abend nur noch ein Programm. Um 19.57 Uhr kommt Russerts Arzt ins Studio. Dr. Michael Newman erklärt, wieso Russert aufgrund seines Diabetes und seiner symptomlosen Herzgefäßkrankheit plötzlich tot umgefallen ist. Dr. Newman gibt Live die Ergebnisse der gerade abgeschlossenen Autopsie zum Besten: Ein großer Kalkplaque in Russerts rechter Herzkranzarterie war der Grund. Dagegen war die Berichterstattung über den Papsttod eine verdammt lahme Veranstaltung.

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2 responses so far ↓

  • 1 Martin K // Jun 15, 2008 at 15:44

    … bäh, wie unappetitlich. Hat dieser Dottore auch was über den Mageninhalt des armen toten Journalisten erzählt? Was ist das denn für ein morbides Interesse an Plaques und totem Körper? Reichte es nicht, zu trauern? Aber Trauer ist ja gar nicht, was die alle umtreibt. Jeder von denen möchte menschlich erscheinen und betroffen und damit sympathisch. Letztlich ist da ein Konkurent gestorben und aus dem Weg, oder ein unbequemer Journalist alter Schule nicht mehr im Weg. Ich kaufe es der Journaille und den Politikern nicht ab, dass sie betroffen sind.

  • 2 George Carlin // Jun 27, 2008 at 20:38

    [...] Carlin ist, das ist die schlechte Nachricht, gestorben. Er verdrängte am vergangenen Sonntag die Tim-Russert-Begräbnis-Berichterstattung im Frühstücksfernsehen. Amerikanische Medienunternehmen haben so viele Fernsehsender, das ist die [...]

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