Aus der Neuen Welt

New Haven’s Late Edition.

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Schwarzweiß

Juli 5th, 2008 · 2 Comments · Kurioses, Politik

Jesse Helms ist tot. Am Unabhängigkeitstag in den frühen Morgenstunden gestorben, mit 86 Jahren. Helms war der amerikanische Senator, der stolz auf seinen Spitznamen “Mr. No” war, weil er gegen alles stimmte, was ihm nicht in den ausgesprochen konservativen Sinn passte: Schwarze, Schwule und Schurkenstaaten – wobei seiner umfassenden Auslegung nach dazu die gesamten Vereinten Nationen gehörten, denen er einmal trickreich den Mitgliedsbeitrag der USA vorenthielt.

In Nachrufen wird viel über seine lange Präsenz in Washington und seinen Patriotismus gesagt und geschrieben. Wenn es um seine Verdienste geht, und man nicht bei Fox News gelandet ist, werden die Kommentatoren giftig, wenn sie zum Beispiel beschreiben, wie Helms sich gegen den Martin-Luther-King-Day gestemmt hat, weil er in King einen schwarzen Krawallmacher sah. Oder gegen staatliche Gelder für die AIDS-Prävention. Oder gegen Bürgerrechte. Der Senator sah die USA als eine Veranstaltung gottesfürchtiger Weißer an und wusste aus seiner Kindheit in North Carolina zu berichten, die Rassentrennung dort habe hervorragend funktioniert.

Das tut sie in Texas bis heute. Im Leben ist die Apartheid abgeschafft, unter der Erde besteht sie in manchen Gegenden fort. In Waller County gewannen schwarze Bürgerrechtler bereits vor ein paar Jahren einen Prozess, weil die Stadt Hempstead schwarze Friedhöfe schlechter pflegen ließ als weiße Friedhöfe. An diesem Wochenende berichtet die New York Times über eine nicht identifizierte weiße Frauenleiche, die nach einem Jahr endlich beerdigt worden ist. Ein schwarzer Richter ordnete die Beisetzung durch einen schwarzen Bestattungsunternehmer auf einem weißen Friedhof an, um die Integration der Friedhöfe zu fördern. Weil das Angebot des Bestatters einem anderen Richter zu teuer vorkam, ordnete der die günstigere Beisetzung auf einem weißen Friedhof an - in der Annahme, es handele sich um die Leiche einer schwarzen Frau. Mittlerweile wird über eine Exhumierung gestritten. Auf welchem Friedhof Jesse Helms beigesetzt wird, berichtet die Times nicht.

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2 responses so far ↓

  • 1 fk // Jul 6, 2008 at 14:59

    Jesse Helms ist übrigens auch kasachischer Ehrenbürger gewesen. Darum wird er wohl in Astana beigesetzt. Very nice politician, high five!

  • 2 fk // Jul 6, 2008 at 15:00

    Übrigens blicke ich die Logik im letzten Absatz nicht so ganz. Ist mir auch irgendwie zu schwarz-weiß…

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