Aus der Neuen Welt

New Haven’s Late Edition.

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Wasser

Juli 11th, 2008 · No Comments · Leben in den USA

Wenn man in Amerika unterwegs Durst bekommt, gibt es meistens eine einfache Lösung: Der nächste Wasserspender ist nicht weit. In einem Land, in dem der Wert sämtlicher Gegenstände, Arbeitsschritte und Lebensabschnitte ausschließlich in Dollar bemessen wird, verschenken Städte und Firmen Trinkwasser. In öffentlichen Gebäuden kann man sich von Wasserspender zu Wasserspender durch die Gänge hangeln, so wird die Wartezeit nicht langweilig.

Am Independence Day veranstaltete die Stadt New Haven ihr Freudenfeuerwerk am so genannten Strand, dem Ufer des Long Island Sounds im Hafengebiet, schräg gegenüber von malerischen Ölspeichern gelegen. In der Anzeige für eine Wohnung würde vermutlich etwas von einer “günstigen Verkehrsanbindung” stehen, mit der die wenige Meter entfernte Interstate 95 gemeint ist, die auf ihrer Route von Miami nach Maine New Haven durchschneidet. Der Versuch, mehr Dixieklos aufzustellen, als Besucher anwesend waren, scheiterte knapp, die Wasserspender liefen aber auf Hochtouren. Die Feuerwehr zapfte im Abstand weniger Meter die Hydranten an, damit niemand verdursten musste.

Es hat ja eine Weile gedauert, bis nach dem Boom tonnenschwerer so genannter “Full-Size-Sports-Utility-Vehicles”, vulgo Lastwagen, ein Teil der hiesigen Bevölkerung eingesehen hat, dass ein Zusammenhang zwischen Benzinverbrauch und Umweltbilanz bestehen könnte. Hoffentlich machen die gleichen Amerikaner jetzt nicht den Fehler, beim neu entdeckten Umweltschutz Wasser sparen zu wollen, indem sie ihre kostenlosen Spender abbauen. Für den Anfang könnten sie stattdessen aufhören, tonnenweise französisches Mineralwasser zu importieren und es im Supermarkt als natürlich und ökologisch zu verkaufen. Evian in den USA ist weder natürlich noch ökologisch.

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