Aus der Neuen Welt

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Blutsbande

Juli 18th, 2008 · No Comments · Politik

Es ist ein unappetitliches Thema, über das die New York Times auf ihrer ersten Seite berichtet. Das Amerikanische Rote Kreuz (ARC) hat ein Problem mit seinem Blutspendedienst. Der größte Dienst der Welt ist ein Riesenunternehmen innerhalb der Hilfsorganisation, das jährlich mehr als zwei Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Leider hapert es mit dem Einhalten verschiedener Regeln, wenn zum Beispiel überprüft werden soll, ob der Spender geeignet ist oder ob das Blut mit einem Krankheitserreger verseucht sein könnte.

Dem Chef der Food and Drug Administration (FDA) ist jetzt der Kragen geplatzt. Nachdem das Rote Kreuz seit geschlagenen 17 Jahren regelmäßig von der für die Gesundheit der Bürger zuständigen Behörde gerügt, ermahnt und gemaßregelt worden ist und mantragleich Besserung gelobt hat, besuchte Andrew von Eschenbach den Vorstand des ARC persönlich. Etwas Ähnliches ist in der Geschichte der USA noch nicht vorgekommen. Ob Eschenbach bei dem Treffen etwas Neues erfahren hat, ist zweifelhaft. Das Rote Kreuz kennt sich selbst nicht aus: Geschäftsführer Kevin Brown kann nicht einmal herausfinden, welche Geldströme zwischen Blutspendedienst und Hilfsorganisation fließen. Mehr als eine Milliarde Dollar hat das ARC bereits für eine einheitliche Datenbank ausgegeben, die irgendwann einmal die Organisation des Blutchaos’ möglich machen soll. Geben tut es das System, an dem eine Pariser Softwareklitsche werkelt, aber immer noch nicht.

Durch die Schlampereien des ARC sollen Empfänger der Blutkonserven regelmäßig dem Risiko einer Infektion mit Hepatitis, Malaria und Syphilis ausgesetzt gewesen sein. Einer Mitarbeiterin, der intern Fehler aufgefallen waren und die daraufhin auf den Rückruf der fraglichen Konserven drängte, wurde gekündigt. Das Blut wurde zwei Jahre später zurückgerufen, lange nachdem es verbraucht worden oder bereits abgelaufen war. Dass angeblich zu keiner Zeit ein Risiko für eine Infektion mit dem HI-Virus bestand, tröstet da nur schwach. Die FDA bittet jetzt den Kongress um Hilfe. Überlegt wird, Blutspendedienst und Hilfsorganisation zwangsweise zu trennen. Offensichtlich ist das Geschäft mit dem Blut in der ganzen Welt anfällig für Skandale: Manches kommt einem bekannt vor.

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