Am Donnerstag geht in Berlin zweimal die Sonne auf, morgens um zwölf nach fünf und dann noch einmal abends gegen sieben. Da soll Barack Obama an der Siegessäule sprechen, und wenn man auf der anderen Seite des Atlantiks sitzt und Deutschland aus der Ferne beobachtet, dann scheint außer Obamas Rede nicht allzu viel los zu sein zwischen Westerland und Sonthofen. In den USA allerdings auch nicht.
Die Chefmoderatoren der Hauptnachrichten der drei großen Fernsehsender ABC, CBS und NBC haben gemeinsam mit Obama das Land verlassen, um bei der ersten großen Auslandsreise des Präsidenten Senators hautnah dabei zu sein. Der Reihe nach dürfen Charles Gibson, Katie Couric und Brian Williams Obama interviewen. Wenn George W. Bush verreist, muss er sich mit dem White House Press Corps begnügen. Er schafft allerdings auch keinen Dreipunktewurf aus dem Stegreif, wenn er seine Soldaten besucht.
John Stewart demonstriert in seiner satirischen Late-Night-Sendung “The Daily Show” bei Comedy Central, wie verrückt die amerikanischen Medien nach Barack Obama sind - und dass ein anderer, älterer Politiker kaum noch Erwähnung findet, obwohl der auch Präsidentschaftskandidat sein soll. Dass die mediale Obamania eine tatsächlich bestehende Nachfrage bedienen könnte, zeigt sich im Alltag: Amerikaner tragen ihre Meinung im Allgemeinen etwas offener zur Schau, als Deutsche das tun würden. Trotzdem ist die Dauerpräsenz von “Change We Can Believe In”-T-Shirts erstaunlich. Und auch das auf einer Rede Obamas basierende Stück “Yes We Can” unterscheidet sich deutlich von der musikalischen Unterstützung, die deutsche Kanzlerkandidaten erfahren.
2 responses so far ↓
1 mein-parteibuch.com » Barack Obama oder Freigeist Music Festival? // Jul 24, 2008 at 05:39
[...] kundtun. Barack Obama will Bilder von ihm ergeben zujubelnden Massen, die er dann für seine Wahlpropaganda im TV einsetzen [...]
2 Gabriel // Jul 27, 2008 at 14:11
Ich war sehr erstaunt, dass tatsächlich 200.000 Menschen in Berlin den Senator sehen wollten. Von so einem Zuspruch träumen deutsche Politiker. Bleibt die Frage, was diesen Mann so spannend macht, wo doch noch lange nicht klar ist, welche Rolle er künftig für die Welt und für Deutschland spielen wird. Die mediale Aufmerksamkeit, die deutsche Medien dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf allgemein und insbesondere dem Senator aus Illinois schenken, ist mir schon beinahe unheimlich.
Jedenfalls waren kritische Stimmen und Transparente offenbar nur hinter der Absperrung zugelassen, wäre ja auch zu schade, wenn die teuren Fernsehbilder die falsche Botschaft über den Teich schickten.
Dann war da noch was Spannendes. Er sei nur privat hier, sagte Obama in seiner Rede. Na dann, Berlin: ich bin demnächst auch privat in der Hauptstadt, zu sagen habe ich auch immer was. Also sperrt schon mal das Brandenburger Tor für mich…
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