Die USA sind eine für ihre Ernährung vielgescholtene Nation. Die größte Angriffsfläche bieten der Hamburger und seine Abkömmlinge. Trotz seines mehr als zweifelhaften Rufs streiten sich gleich mehrere US-Städte darum, wo er erfunden worden sein soll, eine dieser Städte ist New Haven. Einmal davon abgesehen, dass in amerikanischen Supermärkten Salat-, Obst- und Gemüsetheken aufgebaut sind, die in Deutschland ihresgleichen suchen, ist das europäische Schimpfen auf die amerikanische Esskultur kurzsichtig. Schließlich stammt von hier auch eine der großartigsten Erfindungen: der Bagel.
Gut, von hier stammen, das ist unpräzise. Vermutlich stammt er doch eher aus Polen, Deutschland oder Österreich. Österreich ist ein guter Kompromiss: Angeblich soll ein Wiener Bäcker nach dem Sieg über die Türken 1683 aus lauter Freude nicht nur das Croissant erfunden haben, sondern den Bagel gleich dazu. Und von dort kam er dann nach Amerika. Aus Weizenhefeteig geknetet, gekocht und anschließend gebacken, außen kross und innen weich. Die Amerikaner haben angesichts dessen 1681 Philadelphia gegründet, um dann in Cleveland, Ohio, den Cream Cheese zu erfinden. So wurde der Bagel seiner Vollendung nähergebracht.
Aus lauter Dankbarkeit für diesen Dienst an der internationalen Esskultur hat Friedrich der Große gar ein Dorf in Brandenburg nach Philadelphia benannt, das nun leider zu einer Stadt mit dem einfallslosen Namen Storkow gehört. Geschichte ist so ungerecht. Wie wichtig allerdings der Bagel für Herkunft, Gegenwart und Zukunft der Vereinigten Staaten ist, kann man daran erkennen, dass Barack Obama ihn als formgebendes Merkmal seines Wahlkampflogos gewählt hat: Ein Bagel geht auf über Amerika.
0 responses so far ↓
There are no comments yet...Kick things off by filling out the form below.
Leave a Comment