Die USA sind die führende Nation. Führend im Ölverbrauch, führend in der Weltwirtschaft, führend bei der Mobilität ihrer Einwohner, die den Jobs bis nach Alaska hinterherziehen. Aus der Ferne betrachtet könnte man auch meinen, die USA seien führend, was ihre Digitalisierung angeht. Dieser Fehlschluss hält so lange, bis man das zweite Mal beobachtet, wie ein Amerikaner an der Kasse sein Scheckbuch zückt.
Amerikaner sind zwar große Fans von Kreditkarten, weshalb am Tag drei verschiedene Schuldenberatungsunternehmen anrufen. Was sie aber kaum kennen, ist die Überweisung. Nicht auf Papier und schon gar nicht online. Sie füllen stattdessen lieber Schecks aus und schicken sie mit dem notorisch langsamen United States Postal Service durch die Staaten. Oder bezahlen im Restaurant an der Kasse mit einem Scheck. Und wenn man von einem amerikanischen Unternehmen Geld bekommt, weil zum Beispiel der Gaszähler falsch abgelesen worden ist, dann schickt die Firma ebenfalls einen Scheck. Den trägt man dann - zu Öffnungszeiten wie in Deutschland - zur Bank und lässt ihn gutschreiben.
Die Bank of America bietet ihren Kunden seit einer Weile stolz eine sensationelle Neuerung beim Online-Banking an: die Überweisung. Man kann Namen, Kontonummer und so etwas wie eine Bankleitzahl in eine Maske eingeben und dann bekommt derjenige, dem man Geld schicken will, den Betrag überwiesen. Diese Neuerung wird allerdings noch nicht übermäßig häufig genutzt. Ein Scheck ist eben ein Scheck, den kann man anfassen, verlieren und fälschen, so wie echtes Geld. Für Europäer, die partout keine Schecks verschicken wollen, bieten die meisten Unternehmen allerdings eine bequeme Alternative an: Die Zahlung per Kreditkarte. Und damit kennen sie sich aus in den USA.
0 responses so far ↓
There are no comments yet...Kick things off by filling out the form below.
Leave a Comment