Luis Alberto Jiménez sitzt in Guatemala in einer Hütte und ist mit sich und der Welt einigermaßen zufrieden. Er hat keine Ahnung, welchen Trubel er in den USA verursacht, und über diese Ereignisse berichtet die New York Times heute in ihrer Titelgeschichte. Jiménez ist ein illegaler Einwanderer, das ist die niedrigste soziale Stufe, die man in den USA erreichen kann. Für viele Einwanderer aus den amerikanischen Staaten südlich der USA ist es die einzige soziale Stufe, die sie in den USA überhaupt erreichen können. Zwischen 12 und 20 Millionen von ihnen sollen sich in den USA aufhalten, die meisten von ihnen kann man überall dort treffen, wo Arbeit erledigt werden muss, die kein Amerikaner machen will.
Jiménez jedenfalls hat unter anderem deshalb keine Ahnung von dem Ärger, den es in den USA um ihn gibt, weil er bei einem Autounfall in Florida einen schweren Hirnschaden davongetragen hat. In Florida hat Jiménez als Gärtner gearbeitet, um sich irgendwann einmal ein Stückchen Land in Guatemala leisten zu können und so seine Familie ernähren zu können, die zuhause auf ihn wartete. Den Unfall verursacht hat ein betrunkener US-Bürger, im örtlichen Krankenhaus wurde Jiménez zusammengeflickt und gut betreut. Für Tage, Wochen und schließlich Monate. Das Krankenhaus wurde Jiménez nicht mehr los. Eigentlich hätte er in eine Rehabilitationseinrichtung gehört, doch die kostet Geld und für einen illegalen Einwanderer aus Guatemala bezahlt in den USA keine staatliche Einrichtung die Rehabilitation. Jetzt war das Krankenhaus in der Zwickmühle: Behandlung und Daueraufenthalt des Patienten kosteten am Ende um die zwei Millionen US-Dollar; einfach entlassen konnte die Klinik Jiménez auch nicht, denn das ist gesetzlich untersagt. Ein Patient, auch einer der seine Rechnung nicht bezahlen kann, darf nur in adäquate weitere Behandlung entlassen werden.
Die Lösung klingt unglaublich, doch sie ist keine Seltenheit: Das Krankenhaus charterte einen Jet und flog Jiménez nach Guatemala. Dort lag er ein paar Wochen in Kliniken, die mit ihm nicht viel anfangen konnten und wurde schließlich von seiner Familie nach Hause geholt. Nach Hause in eine Hütte, in der sich seine Mutter um ihn kümmert, die zu schwach ist, ihn aus dem Bett in seinen Rollstuhl zu heben. Dutzende Patienten werden auf diese Weise von Krankenhäusern in den USA in ihre Heimatländer geflogen, in ein ungewisses Schicksal. Der Höhepunkt ist der Versuch einer Klinik in Arizona, das in Amerika geborene Kind einer illegal eingereisten Mexikanerin aus dem Land zu befördern - die Polizei konnte das Ausfliegen des Babys, das mit der Geburt amerikanischer Staatsbürger wurde, am Flughafen noch verhindern. Jiménez wird wohl in Guatemala bleiben, in der Hütte bei seiner Mutter, bei der er glücklich ist. Ein Gericht in Florida hat allerdings mittlerweile entschieden, dass seine Expedition durch das Krankenhaus illegal war. Es gibt also Grund zur Hoffnung für die zukünftigen Unfallopfer unter den illegalen Einwanderern der Vereinigten Staaten.
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