Aus der Neuen Welt

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Sex

September 6th, 2008 · No Comments · Medien, Politik

Seitdem Sarah Palin für das Präsidentenamt Vizepräsidentenamt kandidiert, ist Sex unter Teenagern ein Thema in den US-Medien. Während Jamie Lynn Spears Schwangerschaft mit 17 Jahren noch als irgendwie logische Konsequenz einer vermurksten Familiensaga hingenommen wurde, sind die besonderen Umstände der ebenfalls 17-jährigen Bristol Palin ein nationales Drama.

Sarah Palin betont regelmäßig, wie privat die Schwangerschaft ihrer erzkonservativ erzogenen Tochter sei, um sie bei der nächstbesten Gelegenheit dem Fernsehpublikum als Beweis für Verantwortungsbewusstsein und gelebte christliche Werten zu präsentieren. Die Logik funktioniert so: Bristol hätte zwar nicht schwanger werden sollen - vorehelicher Sex ist der christlichen Rechten ein Graus. Jetzt, wo sie es aber ist, begrüßt Mutter Palin die Entscheidung von Tochter Palin, das Kind auszutragen und den Vater des Kindes zu heiraten. Die Entscheidung ist ein gefundenes Fressen für liberale Amerikaner: Palin vertritt ebenso wie Präsidentschaftskandidat McCain die Auffassung, dass eben die Entscheidung, ob eine minderjährige Mutter eine ungewollte Schwangerschaft beenden will oder nicht, gar nicht mehr möglich sein soll. Beide wollen Abtreibungen selbst in Extremfällen - zum Beispiel nach Vergewaltigungen - verbieten, sollte McCain Präsident werden.

Ganz abgesehen von der Frage der Abtreibung diskutiert zum Beispiel Kolumnist Charles M. Blow in der New York Times die Frage, warum eigentlich die USA bei den ungewollten Teenager-Schwangerschaften in reichen Nationen weltweit führen. Auch bei den Abtreibungen unter Minderjährigen liegen die Vereinigten Staaten vorne. Und das, so wird immer wieder erstaunt festgestellt, obwohl doch viel mehr dänische Jugendliche Sex haben, als amerikanische Teenager. Ziel der Kritik ist die Aufklärungspolitik der republikanischen Bush-Regierung in den vergangenen acht Jahren: Den Kindern wird vielfach nicht mehr beigebracht, dass Kondome davor schützen können, schwanger zu werden; statt dessen wird betont, wie wichtig die sexuelle Enthaltsamkeit vor er Ehe sei. Die ernsthafte Diskussion über Sinn oder Unsinn dieser Politik ist Sarah Palins unfreiwilliger Verdienst im Präsidentschaftswahlkampf.

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