Aus der Neuen Welt

New Haven’s Late Edition.

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Gangs

September 9th, 2008 · No Comments · Leben in den USA

In München gibt es Gegenden, in denen man sich nachts besser nicht zu lange aufhält. Das Hasenbergl wird gerne genannt, Neuperlach ist verrufen. Selbst das beschauliche Taufkirchen muss herhalten als Gangstermetropole. Und tatsächlich, gelegentlich werden in München Gewaltverbrechen begangen. Sehr gelegentlich, aus amerikanischer Sicht. Während man in München nachts mit einem Geldkoffer spazieren gehen könnte, ohne sich weiter Gedanken darüber machen zu müssen, was alles möglich wäre, gibt es in den USA selbst in mittleren Großstädten wie New Haven Gegenden, die man nach Einbruch der Dunkelheit lieber meiden sollte. Wirklich meiden - nicht mit dem Auto durchfahren, nicht mit dem Bus hinfahren, schon gar nicht zu Fuß betreten. Man erkennt die Viertel tagsüber an den gleich aussehenden Sozialbauwohnungen und an einem rassistischen Kriterium: Auf der Straße sind ausschließlich Schwarze und Latinos zu sehen.

In den ersten Tagen in den USA geben einem Kollegen und Chefs gute Ratschläge mit: Welche Straßenblocks auch nachts sicher sind, der obligatorische Hinweis, niemals alleine unterwegs zu sein und auch der Rat, bereitwillig Dollar und Wertsachen herzugeben, sollte man tatsächlich ausgeraubt werden. In der Nähe von über Telefonleitungen geworfenen Turnschuhen sollte man sich ebenfalls nicht aufhalten, Drogenreviere würden so abgesteckt. Anschließend folgt die Farbenlehre: Blaue Kleidung, das sind die Crips, ganz in rot treten die Bloods auf und die Latin Kings kleiden sich schwarz-gold. Für den Laien machen die Farben keinen Unterschied, mit keiner der Gangs will man etwas zu tun haben.

Tatsächlich läuft man wenig Gefahr, in unangenehme Situationen geraten, wenn man sich Downtown aufhält, nachts nicht dorthin fährt, wo man sowieso nichts zu suchen hat und ansonsten mit gesundem Menschenverstand beurteilt, ob die Umgebung merkwürdig wirkt oder nicht. Trotzdem verstören auch nach einiger Zeit die regelmäßigen Zeitungsmeldungen über nächtliche Schießereien in den zu meidenden Stadtvierteln. Menschen, die schon lange in New Haven wohnen, haben die wirklich schlimme Zeit in den 1980er Jahren mitbekommen, als sie mit ihren Kindern nicht in New Havens Innenstadt fahren konnten, weil die von Gangs kontrolliert wurde. Das ist unter anderem Dank der reichen Yale University mittlerweile anders, deren Privatpolizei an jeder Ecke steht. Ein merkwürdiges Gefühl bleibt trotzdem.

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