Aus der Neuen Welt

New Haven’s Late Edition.

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Kasse

September 16th, 2008 · No Comments · Kurioses, Leben in den USA

Vor zwei, drei Jahren tauchten in Deutschland die ersten Supermärkte auf, die dem Kunden einen faszinierenden Service anbieten: Er kann sich endlich ganz alleine bedienen, ohne sozial mit einem Mitarbeiter interagieren zu müssen. Diese große, lang ersehnte Freiheit wartet in Form einer Scannerkasse kurz vor dem Ausgang. Da steht der mündige Kunde dann und verrichtet eine Arbeit, für die früher Kassierer so bezahlt wurden, dass sie davon leben konnten. Diese Selbstbedienung wird als die Freiheit verkauft, die der Marlboro-Mann heute nicht mehr versprechen darf.

In den Vereinigten Staaten sind Supermärkte selbstverständlich noch weiter als in Deutschland. In New Havens Shaw’s und Stop & Shops sticht die Zahl der Scannerkassen die der mit Menschen besetzten bereits aus. Die Selbstbedienerkasse bietet Qualitäten, die nicht jeder Kassierer hat - auch wenn es da einen netten Rewe-Mitarbeiter im Münchner Glockenbachviertel gibt, der unterhaltsam die Einkäufe seiner Kunden kommentiert. Jedenfalls, die Scannerkasse: Sie kann ausgedehnte Abendbeschäftigung sein, unterhält die ganze Familie und bietet Ansätze für soziologische Studien. Die Selbstbedienerkasse macht keinen Unterschied zwischen siebzehnjährigen computerfirmen Jugendlichen und achtzigjährigen technisch überforderten Einkäufern. Sie spricht mit dem Kunden, leider recht unverständlich. Sie will die Artikel auf eine - genau eine - Art auf das Laufband gelegt bekommen. Und wenn ein Produktbarcode nicht in ihrem System auftaucht, dann geht ein Alarm los. Die Kasse spricht: “Please wait, help is on the way.” Kommt jetzt die Polizei? Schließlich schlurft ein Mitarbeiter zur Scannerkasse und bringt ihr bei, was eine Banane ist.

Doch die Scannerkasse ist nicht das Ende der Möglichkeiten: Bei Stop & Shop kann man am Eingang einen Handscanner greifen, mit dem bereits während des Einkaufs die Barcodes gescannt werden können. Es ist nur noch ein kleiner Schritt, bis der Kunde vor dem Einkaufen die Regale selbst auffüllen darf. Insgeheim aber spricht die Scannerkasse das kleine Kind im Kunden an, das die Modelleisenbahn unbedingt selbst steuern will. Das scheint - neben Kontaktphobien gegenüber Supermarktangestellten - die einzig plausible Erklärung zu sein, warum die Schlangen vor den Scannerkassen regelmäßig länger sind, als die Schlangen vor den mit Kassierern besetzten Kassen.

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