In Deutschland geht man in den Zoo, wenn man Tiere sehen will. In Amerika geht man zu Cabela’s. Gut, die Tiere bei Cabela’s sind alle tot und ausgestopft, aber immerhin kann man sich hier vorstellen, wie Rehe, Elche und Wölfe aussehen könnten. Nicht, dass es in Connecticuts Wäldern kein Wild gäbe - etwas weiter nördlich, in New Hampshire, kann man sogar echte Bären treffen. Das Phänomen der Kinder, die nicht wissen, wie Kühe aussehen, ist hier allerdings genau so verbreitet, wie im Münchner Hasenbergl. Insofern können nicht wenige bei Cabela’s noch richtig was lernen.
Cabela’s ist kein Zoo und auch keine taxidermische Gesellschaft, Cabela’s ist ein Outdoor-Kaufhaus. Geld verdient wird mit Zubehör für’s Jagen, Fischen, Campen und Autofahren. Gerade ist Jagdsaison, weshalb etwa die Hälfte der Verkaufsfläche im Cabela’s in East Hartford mit Jagdgewehren, ausklappbaren Hochsitzen und Tarnkleidung belegt ist. Dicht an dicht drängeln sich die Familien durch die Ausstellungen - Waren und Tiere - und besprechen fachmännisch die Kalibergrößen.
Das Kaufhaus spart nicht, wenn es um die mehrstöckigen, künstlichen Berge im Zentrum des Geschäfts geht, auf deren Felsen Gemsen und Ziegen kunstvoll drapiert sind. Oder um die Aquarien und Wasserfälle in der Fischereiabteilung. Es gibt Familien, die ihren Sonntagsausflug zu Cabela’s planen, statt in der realen Natur das Risiko von Nässe und Kälte eingehen zu müssen. Offensichtlich geht die Rechnung auf: Wer kommt, um die ausgestopften Tiere zu bestaunen, wird auch etwas kaufen. Cabela’s jedenfalls schreibt schwarze Zahlen und eröffnet regelmäßig immer größere Läden.
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