Aus der Neuen Welt

New Haven’s Late Edition.

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Greenspan

Oktober 9th, 2008 · No Comments · Medien, Politik

Eine bemerkenswerte Beschränkung der Macht ist, dass nur einmal wiedergewählt werden kann, wer es bis ins Weiße Haus geschafft hat. Mit dieser Einschränkung hat sich Alan Greenspan nie herumschlagen müssen: Er war von 1987 bis 2006 Chef der US-Notenbank, und es war ihm herzlich egal, wer unter ihm Präsident war. In den Vereinigten Staaten gibt es Demokraten und Republikaner, Unabhängige und Liberale. Liberal heißt hier libertarian, und Greenspan nennt sich selbst einen “Libertarian Republican”, so liberal, dass er vermutlich den Staat abschaffen würde, wenn man ihn denn ließe.

Mitten in der Korrektur Krise Rezession beginnenden Depression nimmt sich die New York Times in einer Titelgeschichte die Zeit, ausführlich auf die Vorgeschichte des aktuellen Börsenkrachs einzugehen. Es geht um Börsengeschäfte, die so kompliziert sind, dass der in den USA als Börsenguru verehrte Multimilliardär George Soros behauptet, sie nicht zu verstehen. Es mag Koketterie sein, jedenfalls scheint Soros ebenso wie sein Kollege Warren Buffet die so genannten Kreditderivate für zu unsicher gehalten zu haben, um darin zu investieren. Greenspan war anderer Meinung, und diese Meinung vertrat er vehement.

Man muss nicht genau verstehen, wie Derivate funktionieren, um zu verstehen, wozu der Handel mit ihnen geführt hat: Sie haben Banken und Unternehmen ermutigt, immer größere Risiken einzugehen. Risiken, die schließlich zu dem geführt haben, was gerade an den Börsen weltweit passiert: Niemand weiß, wer welche Risiken eingegangen ist; Banken vertrauen sich untereinander nicht mehr, weil sie nicht wissen, wem sie noch glauben sollen. Es ist interessant, zu erfahren, dass in den 1990er-Jahren die Chefin einer unabhängigen Regierungsbehörde mit Beharrlichkeit versucht hat, den Handel mit Derivaten stärker unter staatliche Aufsicht zu stellen - und scheiterte. Notenbankchef Greenspan verhinderte, dass der jetzt implodierte Markt in irgendeiner Weise reguliert wird. Wie ein Notenbankchef so mächtig sein kann? Die Times zitiert einen US-Senator, der damals sogar Fragen stellte: “He was able to say things in a way that made people not want to question him on anything, like he knew it all. He was the Oracle, and who were you to question him?”

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