Aus der Neuen Welt

New Haven’s Late Edition.

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Hass

Oktober 14th, 2008 · No Comments · Medien, Politik

Gelegentlich hört man eine Argumentation gegen die mögliche Wahl Barack Obamas zum nächsten US-Präsidenten, bei dem einem kalte Schauer über den Rücken laufen: Amerika sei nicht bereit für einen schwarzen Präsidenten, schon gar nicht einen so liberalen schwarzen Präsidenten, wie es Barack Obama vermutlich wäre. Fast zwangsläufig würde ein Präsident Obama erschossen werden, so wie einst John F. Kennedy. Wenn es Obama überhaupt bis zum Wahltag schaffe und nicht schon vorher niedergeschossen werde, wie der arme Robert Kennedy. Deshalb, leider, deshalb sei man sich nicht sicher, ob man Obama seine Stimme geben könne, obwohl man John McCain und besonders dessen Vizepräsidentenkandidatin Sarah Palin nicht möge.

Es ist erstaunlich, wie nonchalant Rassismus und die Kapitulationserklärung der freien, wehrhaften amerikanischen Demokratie in wenigen Sätzen vermengt werden, so dass am Ende quasi zwangsweise ein greisenhafter Tor und eine schießwütige Rassistin ins Weiße Haus einziehen müssen. New York Times-Kolumnist Frank Rich beschreibt in The Terrorist Barack Hussein Obama, wie sehr John McCain und besonders Sarah Palin mit dem Feuer spielen. Rufe bei Wahlveranstaltungen, Obama sei ein Terrorist, ein Landesverräter bleiben unbeantwortet. Vereinzelt wurde bei Veranstaltungen der Republikaner bereits der Kopf Obamas gefordert: “Kill him!” und “Off with his head!” sind dokumentierte Zwischenrufe. Das FBI untersucht mittlerweile den Fall eines Sheriffs, der in voller Montur gegen “Barack Hussein Obama” anstänkert.

Der einzige Zwischenfall, bei dem John McCain tatsächlich einer Anhängerin das Mikrofon weggenommen und ihr widersprochen hat, war die Behauptung, Obama sei ein Muslim und kein Amerikaner. CNNs Campbell Brown fragt in einem Kommentar zu Recht, was eigentlich mit Amerika los ist, wenn die Frage eine so große Rolle spiele, ob Obama ein Muslim sei. Den Vogel abgeschossen hat selbstverständlich Sarah Palin, mit einem Zitat in einer Rede beim Nominierungsparteitag der Republikaner. Sie zitierte Westbrook Pegler, einen konservativen antisemitischen Kolumnisten, der sich für den später erschossenen Robert Kennedy wünschte: “Some white patriot of the Southern tier will splatter his spoonful of brains in public premises before the snow falls.” In einem Land, in dem schon weniger reicht, damit Fanatiker auf Menschen schießen, kann einem Angst werden bei so viel Hass.

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