Er hat einfach eine halbe Stunde Fernsehen gekauft. Bei NBC, CBS, Univision, BET, FOX und MSNBC. Um acht Uhr abends, zur besten Sendezeit, zu sehen in den gesamten Vereinigten Staaten. Dreieinhalb bis fünf Millionen Dollar soll dieses Infomercial gekostet haben, zuletzt gab es so etwas vor 16 Jahren. Er will einfache Amerikaner zeigen, die er in der Zeit seiner Kampagne getroffen habe, sagt Barack Obama zu Beginn der Dauerwerbesendung. Und er will erklären, was kommt, falls die Amerikaner ihn am nächsten Dienstag zum Präsidenten wählen sollten.
Es tritt auf die Mutter von drei Kindern, die mit ihrem Mann ein Haus in Missouri gekauft hat und um die Schulbildung ihrer Kinder fürchtet. Der Vater von sechs Kindern aus Ohio, der sein Haus nicht verlieren will, weil er die Medikamente für seine Frau nicht bezahlen kann. Dazwischen geschnitten Obama vor einer Menschenmenge, unterlegt mit Hollywood-Soundtrack. Obama nutzt die teure Werbezeit, um noch einmal seine Pläne für Steuern und Gesundheit zu erklären. Er lässt demokratische Gouverneure und Senatoren auftreten, die für ihn sprechen, den Chef von Google und pensionierte Generäle. Seine Frau, die darüber spricht, wie er selbst während der Kampagne Zeit findet, täglich ausführlich mit seinen Töchtern zu telefonieren.
Obama spricht über seinen Vater, den er kaum kannte, über seine Mutter. Wie er um 4.30 morgens aufstand, um mit ihr die Hausaufgaben durchzugehen. Wie sie an Krebs starb und ihre größte Sorge war, wie sie die Rechnungen für ihre Behandlung bezahlen sollte. Dieser Spot ist nicht allein durch Länge oder Reichweite mit nichts vergleichbar, was es in diesem Präsidentschaftswahlkampf bislang gegeben hat. Obama kann sich eine halbe Stunde lang selbst präsentieren, ohne dass ein Moderator die Sekunden stoppt oder er sich Fragen eines Journalisten gefallen lassen muss. Diese halbe Stunde verdeutlicht, warum Barack Obama gegenüber John McCain so positiv auf die meisten Amerikaner wirkt: Kein Wort des Angriffs auf seinen Gegner verliert Obama. Während McCain und Palin sich seit Wochen überwiegend in persönlichen Angriffen verlieren, konzentriert Obama sich ganz auf die Themen, die Amerikaner umtreiben. Das Ganze wirkt sehr, nun ja, präsidial. Der Clou sind die letzten drei Minuten: Obama spricht live aus Florida. So fühlt sich wohl Hoffnung an.
1 response so far ↓
1 Gabriel // Okt 30, 2008 at 18:53
Beeindruckend, welche Rolle die Medien in diesem Wahlkampf spielen. Du hättest dir wohl keine spannendere Zeit aussuchen können. Du mußt Jeffersons Erben lesen, wird dir gefallen.
Faszinierende Vorstellung: 30 Minuten Sendezeit auf den Topsendern. Würde ich gerne mal ausprobieren.
Lass uns in jedem Fall auch mal so einen Wahlkampf medial organisieren. Und anschließend setzen wir uns zur Ruhe…
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