Welcome to the Bronx. Im Moment könnte ich darauf verzichten. Wieso muss es auch noch die Bronx sein? Nach 32 Kilometern kommt die vierte von fünf Brücken, wenigstens ist sie kurz und damit relativ schmerzlos. Kurz darauf geht es aus der Bronx heraus zurück nach Manhatten, wo eine Band YMCA spielt. Wir können zwar größtenteils kaum noch laufen, die Arme hoch bekommen aber fast alle - für wenige Sekunden. Wo ist der nächste Wasserstand? Und wer, verdammt, kam auf die geniale Idee, den New York City Marathon zu laufen?
Los geht’s um kurz nach zehn auf Staten Island: Ein Böllerschuss und dann in voller Lautstärke Frank Sinatra mit “New York, New York”. Es wirkt alles so einfach: Die erste Brücke ist die höchste, es geht hinein nach Brooklyn, wo jubelnde Menschen und Bands sich gegenseitig zu übertönen versuchen. Weiter nach Queens, wo es ziemlich warm wird, aber was soll’s, die Hälfte ist schließlich geschafft. Am Straßenrand stehen, je nach Wohnviertel, orthodoxe Juden, Rastafari, Muslime oder ganze baptistische Gemeinden - und alle schreien sie, feuern Menschen an, die sie überhaupt nicht kennen: You’re looking good! You’ll make it! Go for it!
Endlich in Manhattan, endlich auf der First Avenue. Zum ersten mal höre ich meinen Namen, tatsächlich, da steht Anja, hat mich gefunden unter den 39.000 Menschen, die an ihr vorbeitraben. Jetzt klappen auch die letzten 16 Kilometer. Die First Avenue ist endlos lang, hier stehen noch mehr Menschen und jubeln, es wirkt surreal - wen meinen die, mich? Ja, auch mich. Am schlimmsten und am schönsten sind die letzten fünf Kilometer. Endlich am Central Park, beinahe am Ziel, wenn nur die Beine nicht versagen. Dann, nach unendlichen fünf Stunden und zehn Minuten, nach einem Jahr Vorbereitung, sind sie geschafft, die 42,195 Kilometer.
8 responses so far ↓
1 SB // Nov 3, 2008 at 04:04
Es war schon phantastisch, mit dem Schiff in New York einzulaufen! aber zu Fuß über die Brücken, durch den Park nach Manhatten zu gelangen dürfte wohl die Krönung sein - !Glückwunsch
2 Anja // Nov 3, 2008 at 08:38
LOOKING STRONG!!!
DENNIS, WIR LIEBEN DICH!
3 Benjamin // Nov 3, 2008 at 20:24
Herzlichen Glückwunsch!!
Bin schwer beeindruckt.
4 sah // Nov 4, 2008 at 18:37
wow. dennis. ich bin schwerst beeindruckt!
thanks for sharing your emotions…
PROUD TO KNOW YOU!
5 JJ // Nov 5, 2008 at 17:27
Respekt Dennis, dann steht ja dem Iron Man nächstes Jahr nichts mehr im Wege!?
6 Gabriel // Nov 6, 2008 at 09:31
Auch meinen Respekt hast du, keine Frage. Ist übrigens glaube ich der Beitrag mit den meisten Kommentaren. Aber auch, wenn ich in der Tat beeindruckt bin, dass du dich mit noch ein paar Spinnern die ganze Strecke lang gequält hast und ich insbesondere an den Details der einjährigen Vorbereitung interessiert bin, sehe ich doch mit Sorge, dass derart seltsame Prioritäten zu Lücken in deinem Beitragskalender führen…
7 Herr Heimrat // Nov 7, 2008 at 09:20
Krass, das wär mir schon mit der Ubahn deutlich zu weit
8 fk // Nov 10, 2008 at 18:29
Was lesen meine entzündeten Augen da? Jetzt muss ich mir aber langsam echt Sorgen machen - nicht nur, dass der Breitensportler par excellence das Maß an für gesetzliche Krankenkassen gerade noch erträglicher sportlicher Betätigung überschritten hat (- war das wirklich nötig?)! Schlimmer, viel schlimmer, die Frage, die man sich stellen muss: Ist Dein Ego so angekratzt, dass Du jetzt schon den Marathon läufst? Wir wissen doch, dass Du es kannst, das muss nicht extra bewiesen werden! Was willst Du denn jetzt in der midlife-crisis machen? Oder wenn Du so alt bis wie Joseph damals? Bäume pflanzen und Häuser bauen wird dann keine Erfüllung mehr für Dich sein. Das Ehelichen exotischer Studentinnen untersagt die Kommandozentrale. Und Kinder zeugen - ja, schön, aber der Stress mit den Reproduktionsmedizinern… und dann das “jetzt-fange-ich-zu-leben-an” endgültig auf nach 67 verschieben? Ist es das wert? Hättest Du Dir den Marathon noch aufgespart, stünde noch eine echte Herausforderung vor Dir im Leben. Aber so? In ein paar Jahren kommt das böse Erwachen, und Du wirst merken, dass Du Dir damals selbst die Sahne von den Erdbeeren geschleckt hast. Deren Verdauung (ungezuckert) verbraucht zwar mehr Kalorien als die sahnelosen Erdbeeren liefern, aber das kann Deine Seele dann auch nicht mehr retten. Naja, ein Ausweg bleibt, auch in all den Jahren noch, wenn auch ein Ausweg der Ausweglosigkeiten. Endlich in die SPD ein- und in Hessen gegen Koch antreten. Dann hat er endlich einen Gegner auf Augenhöhe und mit erwiesenermaßen besserem Stehvermögen. Wenn Du dann nach Deinem Sieg von Frankfurt nach Wiesbaden läufst (erfolgreicher Wechselwahlkampf, Du kennst den Trick), darfst Du Dich auch im Joggingdress als MP vereidigen lassen. Na also: Die midlife-crisis kann kommen!
Leave a Comment