Aus der Neuen Welt

New Haven’s Late Edition.

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Konservativ

November 9th, 2008 · 1 Comment · Medien, Politik

Das Wall Street Journal ist kein liberales Blatt wie die New York Times, es ist die Hauslektüre jener Menschen, die unter Barack Obama vermutlich mehr Steuern zahlen müssen als in den vergangenen acht Jahren. Und es ist jene Zeitung, die vor nicht allzu langer Zeit von Rupert Murdoch übernommen wurde; bislang war das ein sicheres Zeichen dafür, dass es mit dem ernstzunehmenden Journalismus kurz danach aus war - erinnert sich noch jemand an die Londoner Times? Murdoch versichert, mit dem Wall Street Journal werde alles ganz anders sein, bislang hat er sich auch noch nicht getraut, Redakteursstellen zu streichen, sondern investiert sogar in das Blatt.

In der Wochenendbeilage des WSJ findet sich der Artikel eines liberalen New Yorker Universitätsprofessors, der über den Niedergang der intellektuellen Tradition der amerikanischen Konservativen schreibt. Offensichtlich sind die Konservativen selbst so schockiert über das, was sie in den vergangenen zwei Monaten von der Republikanischen Partei präsentiert bekommen haben, dass kein prominenter intellektueller Konservativer mehr in der Lage ist, selbst zur Feder zu greifen. Noch interessanter als Mark Lillas spannende Analyse der Sarah-Palin-Doktrin - Ignoranten dürfen auch mitspielen! - wäre ein solcher Text aus der Feder eines Konservativen selbst gewesen.

Lilla bringt auf den Punkt, was Sarah Palins Vizepräsidenten-Kandidatur für die Konservativen bedeuten könnte: Das vorläufige Ende des intellektuellen Diskurses der amerikanischen Rechten. Die Tradition von Irving Kristol, Jeane Kirkpatrick und William Buckley endet also in der Erkenntnis, dass es toll ist und ausreicht, eine Hockey-Mum zu sein. Und die Bush-Doktrin darf man ungestraft für eine allgemeine Weltsicht ohne spezifischen Hintergrund halten, selbst wenn man gerne im Weißen Haus säße. Erschreckend ist, und auch darauf weist Lilla hin, dass Sarah Palin durchaus kein Betriebsunfall der Republikaner ist, der aus Unwissen oder Verzweiflung passierte, sondern dass durchaus intelligente Konservative seit langer Zeit daran gearbeitet haben, jemanden wie Palin an die Spitze zu stellen, um beim vermeintlich dummen Wähler Stimmen zu fangen.

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1 response so far ↓

  • 1 fk // Nov 10, 2008 at 17:37

    Tja, wenn der Wähler auch wirklich dümmer wäre als die Kandidatin… Aber das war hier ja leider nicht der Fall. Naja, so etwas funktioniert auch andernorts wider Erwarten nicht, ich verweise auf die FAZ, die das Problem für Hessen so auf den Punkt bringt: “Er (Koch) ist klug, und sie (Y.) ist schön. (Und das ist die charmante Fassung.)

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