Die Wochen vor der Präsidentschaftswahl waren an Spannung kaum zu übertreffen. So spannend, dass Fox News, CNN und selbst Comedy Central mit ihrer Wahlberichterstattung Rekordzahlen erzielten und der New York Times in den Tagen nach der Wahl eine Vielzahl halbseitiger Jubelanzeigen bescherten. Unter kaum einer Adresse im Internet war die Spannung so greifbar wie bei FiveThirtyEight.com.
Die Seite wird von Nate Silver betrieben, einem Dreißigjährigen, für den die Charakterisierung als Nerd eine freundliche Untertreibung ist. Silver ist besessen von Mathematik und vor allem Statistik. Er ist ein Meister der so genannten Sabermetrics, der statistischen Analyse des Nationalsports Baseball, um Spielausgänge in der Zukunft vorhersagen zu können. Weil Silver auch politisch interessiert ist, begann er im Jahr vor der Präsidentschaftswahl, seine Methoden auch auf den Vorwahlkampf der Demokraten anzuwenden. Die Ergebnisse veröffentlichte er unter der Adresse FiveThirtyEight.com, der Name bezieht sich auf die Zahl der Wahlmänner im Electorial College, das den amerikanischen Präsidenten wählt.
Erstmals aufmerksam wurden die Medien auf Silver, als er Vorwahlen zwischen Hillary Clinton und Barack Obama richtig voraussagte. Von da an war er gelegentlicher Gast bei den Kabelnachrichtensendern. Am Wahltag schließlich saß er beim Kabelsender HDNet im Studio der Nachrichtenlegende Dan Rather - den Ausgang der Wahl hatte er da bereits mit erstaunlicher Präzision vorherberechnet. Silver verwendet eine Reihe von Methoden, die auch von großen Wahlforschungsinstituten verwendet werden, neben jenen Gewichtungen, die er den Sabermetrics entliehen hat. Allerdings dürfte er der einzige Wahlforscher sein, der auf seiner Homepage ausführlich seine Methoden offenlegt.
1 response so far ↓
1 Gabriel // Nov 14, 2008 at 11:22
Faszinierend, dass der Seher keine größere Rolle in den US-Medien gespielt hat. Wäre interessant, welche weiteren Parallelen es zwischen Baseball und Politik gibt.
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