New Haven stellt nicht alle Tage das Titelphoto der New York Times. Heute schon: Barbara und Robin Levine-Ritterman strahlen vor dem New Havener Rathaus stehend um die Wette und schwenken ihre Heiratserlaubnis. Sie sind unter den ersten homosexuellen Paaren, die gestern direkt nach dem vorläufig letzten Richterspruch zu schwulen und lesbischen Ehen im Bundesstaat Connecticut ihre Marriage License abholen. Wenige Stunden zuvor erklärte Richter Jonathan Silbert vom Oberste Gerichtshof Connecticuts in New Haven ein im Oktober gefälltes Urteil für in Kraft getreten, das ein Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen für nicht verfassungsgemäß erklärte.
All das passiert nur eine Woche, nachdem parallel zur Präsidentschaftswahl die vermeintlich liberalen Kalifornier mehrheitlich dafür gestimmt hatten, die dort erst im letzten Jahr legalisierte homosexuelle Ehe wieder abzuschaffen. Dem vorausgegangen war ein schmutziger Wahlkampf, der vor allem von den in Salt Lake City im Bundesstaat Utah sitzenden Mormonen finanziert wurde. Am gleichen Tag stimmten die Bürger Connecticuts dagegen, dieses Thema überhaupt zur Wahl zuzulassen. Jetzt sind gleichgeschlechtliche Ehen nur noch in Massachusetts und Connecticut möglich, in New York werden sie wenigstens anerkannt. Einige Staaten - auch Kalifornien - kennen eine Ehe zweiter Klasse, die so genannten Civil Unions oder Domestic Partnerships.
Am vergangenen Wochenende gingen bereits tausende Demonstranten in Kalifornien und New York City auf die Straße, um gegen das Abstimmungsergebnis zu protestieren. Für nächstes Wochenende sind weitere Demonstrationen angekündigt. Die Stimmung ist gereizt: Die Mormonen haben in ihrem Multimillionen-Dollar-Wahlkampf unter anderem behauptet, die Erlaubnis der Homosexuellen-Ehe führe dazu, dass bereits Kindergartenkinder mit vermeintlich moralisch schädigenden Inhalten traktiert werden sollten. Solche Behauptungen ziehen sich durch amerikanische Wahlkämpfe, sobald es um Sexualität geht. Wie absurd die Unterstellungen auch sein mögen, ein bisschen was bleibt immer hängen.
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