Besonders viel sagen diejenigen Gäste der Veranstaltung über die Situation der Schwarzen in Amerika aus, die heute Abend nicht da sind. Beziehungsweise der Hintergrund der wenigen Weißen, die sich zur feierlichen Eröffnung des neuen Büros der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) in New Haven eingefunden haben. Nach Jahren in einem Keller auf der nicht gerade sicheren Dixwell Avenue arbeitet die Regionalgruppe jetzt in einem Ladengeschäft im Erdgeschoss auf der wenig besseren Whalley Avenue.
Da sind der weiße Reporter des New Haven Register und sein weißer Photograph. Von den vier New Havener Universitäten hat es nur der Vizepräsident für New Haven der Yale University zu der Bürgerrechtsorganisation geschafft, die im nächsten Jahr ihren hundertsten Geburtstag feiert. Die University of New Haven, die Southern Connecticut State University und die Quinnipiac University glänzen durch Abwesenheit. Das wäre nicht so störend, hätte es nicht erst in den letzten Monaten wiederholt rassistische Vorfälle an zwei der drei abwesenden Universitäten gegeben. Der Bürgermeister glänzt ebenfalls durch Abwesenheit.
James E. Rawlings, der Präsident der Greater New Haven NAACP Branch, nimmt’s äußerlich gelassen. Der frühere erste schwarze Bürgermeister ist da, die schwarzen Mitglieder des Stadtrates, der schwarze Präsident des NAACP in Connecticut. Man könnte natürlich meinen, dass diese Situation bei einer Veranstaltung des NAACP nicht so ungewöhnlich sei. Und dann betrachtet man die Bilder an den Wänden, jahrzehntealt. Die meisten der Abgebildeten sind schwarz, doch erstaunlich viele der ehemaligen Vorstandsmitglieder sind Weiße. Und wenn man dann noch liest, dass es in der Gründungsphase des NAACP vor allem weiße Juden waren, die sich für die Rechte der unterdrückten Schwarzen eingesetzt haben, dann fragt man sich doch, wo die Honoratioren bleiben.
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